01.
Juli

In der letzten Woche hatten wir Urlaub. Das war auch gut so, hatten wir uns doch viel vorgenommen.

Unsere Pflanzen waren während der letzten zwei Wochen wieder ein gutes Stück gewachsen. Im Mittel sind die Reben nun ca. 40 cm hoch.

Je nach Lage und Sorte ist der Wachstumsgrad recht unterschiedlich ausgeprägt.

Manche Pflanzen sind doppelt so hoch wie andere…

Am faszinierendsten fand ich persönlich, wie einige Pflanzen sich selbständig mit ihren Ranken Halt an den Pflanzstäben gesucht haben. 

 

Unser Wunsch ist natürlich ein möglichst gerades Wachstum jeder einzelnen Rebe. Um dieses zu fördern, habe ich den Großteil der Pflanzen mit Bindedraht so nah wie möglich mit dem Pflanzstab verbunden.

Einige Pflanzen hatten es nicht nötig, da sie sich schon selbst mit den Ranken mit dem Pflanzstab verbunden hatten. 

Für die zu errichtende Drahtanlage hatten wir wieder im Internet das nötige Zubehör bestellt. 

Wir benötigten:

48 Pfähle ( genannt Stickel, 2,50m lang mit einem Durchmesser von ca. 8 cm)

24 Stabanker mit einer Länge von 85 cm (für die Verankerung der Endpfosten)

1 km Spanndraht ( Heftdraht)

Drahthalter

Hefthaken

Weinbergkettchen als Spannhilfe für die Heftdraehte in den Spalieren 

…und etliche 100 Schrauben.

Um die Stickel ca. 60 cm in die Erde zu bekommen, haben wir uns beim Baumarkt in Neuruppin für eine Woche eine Pfahlramme (16 kg schwer) ausgeborgt.

48 Stickel mussten also nun 60 cm tief in den märkischen Boden. Diese Arbeit war für Dirk körperlich sehr anstrengend. Man sollte nicht vergessen, wir sind immer noch Büromenschen die noch nicht über Nacht zum Landarbeiter mutiert sind.

Arbeit mit der Pfahlramme (Video)

Das Eindrehen  der Bodenanker haben wir dann zu zweit gemacht. Auch diese mussten mindestens 75cm tief in den Boden hinein. 

Nach ca. 30cm Bohrtiefe kam eine Tonschicht, welche erst mal überwunden werden musste. 

Und wieder mal konnte ich Physik live anwenden: Kraft x Hebelarm = Drehmoment 

 

.

Nach dem Durchdringen der Tonschicht ging es dann auch gleich wieder leichter in den Sandboden hinein zu drehen. 

Die Anker setzten wir insgesamt 24x, jeweils an den Aussenstickeln.

Das Reh und auch andere tierische Störenfriede haben aktuell keine weiteren Knabberfestspiele mit unseren Pflanzen veranstaltet. Wir hoffen natürlich sehr, dass dies so bleibt.

Das Thema Unkraut haben wir momentan auch gut im Griff. Dirk ist mit dem Rasenmäher durch die Zeilen durch. Das reicht. Auch lassen wir lieber etwas Unkraut stehen, da dies als natürliche Bremse bei Starkregen fungiert, damit uns der Mutterboden nicht runter schwemmt.

Am Mittwoch bekamen wir dann Unterstützung durch unseren Sohn Julius. 

Er half Dirk beim letzten Viertel der Einbringung der Stickel und dann ging es an die Drähte.

Laut Julius sollte das nicht lange dauern, jedoch hatte er wohl irgendwie vergessen, dass sein Vater ja ein Ingenieur mit Hang zur Exaktheit ist. 

Es wurde gemessen, ausgelotet, neu gespannt und immer wieder neu begradigt. Das hat gedauert. 

Die 48 Pfähle stehen nun in Reih und Glied, egal von welcher Seite man sie betrachtet. 

Auch die Drähte sind exakt gespannt und mit den Erdankern festgezurrt.

Um nicht drüber zu stolpern, werden wir uns noch solche Stangen mit Fähnchen, die es für Kinderfahrräder gibt, besorgen.

Drahtaufteilung:

  • unterster Draht ca 75 cm über dem Boden (Biegedraht)
  • in der Mitte 2 x 2 Drähte ca. 1,10m über dem Boden (Heftdrahtpaar)
  • oben 2 x2 Drähte ca. 1,70 m über dem Boden (ebenfalls Heftdrahtpaar)

 

Das Spannen der Drähte war sehr schwer. Um ordentlich Zug auf den Stickel zu bekommen, stellte uns Dirks Onkel noch einen alten kleinen Flaschenzug zur Verfügung. 

Dies war sehr hilfreich. 

Auch der Arbeitsschutz wurde nicht vernachlässigt – Handschuhe und sogar ein Gesichtsschutz beim Spannen der Drähte kamen zum Einsatz. 

 

Insgesamt wurden in den Pfählen über 480 Schrauben verarbeitet und fast 1km Draht gespannt.

Seit Julius‘s Ankunft war meine Arbeit dann auch wieder auf das Ausgeizen der überschüssigen Triebe runter gefahren worden. 

 

Dafür habe ich mich um so mehr um das kulinarische Wohl der zwei Arbeiter gekümmert, denn so viel körperliche Arbeit macht hungrig .

Am Samstag Abend stand sie dann, unsere Drahtanlage. 

Es war eine anstrengende aber auch sehr fröhliche Woche. Wir haben die Arbeit mit unserem Sohn, besonders seine ruhige Art, sehr genossen.

Zwar mussten  sich Vater und Sohn erst mal auf ein Arbeitstempo einigen und ihre Rollenverteilung immer mal wieder neu justieren, aber auch das war für uns als Familie eine schöne Erfahrung. 

Kommentare:
  1. Date 15. Juli 2018
    Author Von:Sabine

    Vielen lieben Dank für die anerkennenden Worte.
    Wir freuen uns, wenn wir auch bei anderen Menschen Interesse wecken können, was dieses Thema betrifft.

  2. Date 15. Juli 2018
    Author Von:Schwarz, Angela

    Unglaublich was ihr da auf die Beine gestellt habt !
    Die Weinanbau – Idee so akribisch und voller Enthusiasmus umzusetzen ist echt ne Mega Leistung!
    Einfach stark wie es Schritt für Schritt vorangeht und man es live miterleben kann !
    Wünsche euch viel Erfolg und freue mich auf die Ernte irgendwann!
    Bin gespannt auf den ersten Tropfen des Schindler-Weines ! Kann eigentlich nur gut werden!

  3. Date 03. Juli 2018
    Author Von:Monika Dorow

    Nachdem ich mich von dièser schönen Anlage überzeugt habe und zugesehen habe, wie die Pfähle in die Erde kamen, kann ich nur sagen “ Hut ab“. Bei so viel Liebe zum Detail kann nur alles gut werden.lch bin stolz auf euch !!!


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