11.
September

Nachdem ich im letzten Beitrag über den Angriff der Wespen berichtet habe, dachten wir eigentlich, dass dies eine der letzten Überraschungen kurz vor der Zielgeraden Richtung Lese sein wird. Die Wespen haben übrigens wirklich drei komplette Reihen vernichtet.

Aber was wir nun erleben mussten, wirft unser komplettes Konzept durcheinander.

Vor zwei Jahren pflanzten wir fünf Zeilen Rotwein (Regent) und drei Zeilen Weißwein (Solaris), den kleinen Schauweinberg lassen wir mal außen vor.

Vor gut vier Wochen setzte die Reversion ein. Der Reifeprozess der Trauben begann. Zu diesem Zeitpunkt begann auch die Veränderung der Farbe bei der roten Rebsorte. Aus weiß wurde sukzessive rot.

Nur wurde plötzlich alles rot – auch der vermeintliche Weisswein. Dies bedeutet, dass wir keinen Solaris gepflanzt haben, sondern eine andere rote Rebsorte.

Das ist nicht das, was wir wollten. Dadurch, dass wir im letzten Jahr Stammaufbau betrieben haben, also alle Triebe soweit zurück geschnitten hatten, das alle Kraft in den Stamm geht, haben wir diesen Fauxpas erst nun bemerkt.

Die Kontaktaufnahme mit der Rebschule ergab nach freundlichen Telefonaten und Mailverkehr, dass wir definitiv keinen Solaris gepflanzt hatten, sondern eine weitere rote Rebsorte.

Dies tut der Rebschule natürlich sehr leid, ist mit Geld jedoch nicht wirklich reparabel, da wir ja nun keinen Weißwein haben.

Mit Hilfe der Rebschule konnten wir jedenfalls erst einmal durch Fotos der Triebspitzen und der Trauben ermitteln, um welche Rebsorte es sich überhaupt handelt nämlich um Cabernet Noir.

Das ist alles sehr ärgerlich. Haben wir doch auch überall an den Reihen kleine Schilder mit dem Pflanzjahr und der Sorte. Dies stimmt nun leider nicht mehr.

Die nächste Frage ist natürlich, was nun?
Es gibt die Überlegung die Anlage zu erweitern und den Weißwein neu zu pflanzen, oder die drei Reihen Rotwein zu entfernen. Wir sind noch in der Findungsphase, jedoch die gut angewachsenen Pflanzen zu roden, fühlt sich nicht gut an. Andererseits sollte die Anlage für den Hobbybetrieb nicht zu groß werden, denn es soll ja noch Spaß machen und nicht zu einer Verpflichtung werden.

Die Erfahrungen der letzten 3 Sommer haben uns allerdings auch gezeigt, dass es immer wieder Widrigkeiten gibt, die dazu führen, dass sowieso nicht jede Pflanze bis zur Lese durchhält. Wild, Maikäferlarven,Wespen, plötzliche Mangelerscheinungen, alle diese Dinge haben dazu geführt, dass von den 8 Zeilen in diesem Jahr (Stand heute) nur ca. 4 1/2 Zeilen zur Lese tragen.
Dieser Umstand könnte dazu führen, dass wir doch zu einer Projeterweiterung tendieren.

Die Lese ist aber noch nicht so weit. Das Refraktometer zeigt gerade mal 40 Grad Oechsle. Oechslegrade sind eine Art Maßeinheit für den Zuckergehalt in der Traube. Diesen kann man mit dem Refraktometer messen. Reif für die Lese sind Trauben ab ca. 90 Grad Oechsle.

Refraktometer

Auch haben wir uns schon die Tubben für die Lese zugelegt. Man muss ja vorbereitet sein.

Tubben für die Lese

So nun wisst Ihr Bescheid, welche neuen Herausforderungen auf uns warten. Alternativ könnten wir aus den ganzen roten Trauben auch einen Blanc de Noirs machen. Dies bedeutet, dass wir Weißwein aus roten Trauben herstellen. Das wäre eine Notlösung, aber nicht das, was wir eigentlich wollten. Rose ginge natürlich auch. Zum Glück ist dieses Jahr nur die Probelese geplant, damit wir die technischen Abläufe kennen lernen und Erfahrungen sammeln können. Wenn Ihr Tipps, Ratschschläge oder Vorschläge habt, freuen wir uns über einen Kommentar.

Kommentare:
  1. Date 17. September 2020
    Author Von:Volker

    Ein sehr interessanter BERICHT. Schade das der Verlust so groß ist. Aber der Bauer wartet auch jedes Jahr wie das Wetter wird und muß mit schlechten Ernten rechnen.
    Meine rote Rebe schaft es seid Jahren nicht mehr- die Beeren vertrocknet oder die Drosseln hatten Hunger.
    Weiter frohes Schaffen.
    Volker J.

  2. Date 15. September 2020
    Author Von:Julius

    Cabernet noir wird anscheinend auch viel in England neu gepflanzt, vielleicht gedeiht er über die Jahre ja doch ganz gut in Brandenburg bei vergleichbaren klimatischen Verhältnissen 😉

  3. Date 11. September 2020
    Author Von:Pauline Schindler

    Haltet durch! Ein rosé wäre allerdings auch nicht das Schlechteste 😉

  4. Date 11. September 2020
    Author Von:Monika Dorow

    Ich würde mal sagen das ist Anfänger Pech.Wo gehobelt wird da fallen Späne.lhr seid nicht die Menschen die aufgeben. Also durchhalten.Wir trinken auch Rose oder roten Weissen .Die Mühe lohnt sich auf jeden Fall.Ich wünsch euch Erfolgserlebnisse! Eure Mama Moni

  5. Date 11. September 2020
    Author Von:Anita und Bernd

    Ihr seid ja wirklich zu bewundern, das ihr nicht aufgebt.
    Wir beobachten ja auch immer die viele Arbeit, nicht nur am Weinanberg, auch im zukünftigen Weinkeller…
    Haltet weiter durch. Wir wünschen euch, daß sich die Mühe lohnt.


Kommentar verfassen

Thumb Up

Vielen Dank für Ihren Beitrag

Ggf. wird Ihr Kommentar noch von der Moderation geprüft.