26.
September

Am Mittwoch Abend machten wir uns erwartungsvoll nach unserer eigentlichen hauptberuflichen Tätigkeit auf in Richtung Linowsee. 

Am nächsten Morgen in aller Frühe wollten wir dann lesen. 

Zwar waren wir schon um 6.00 Uhr bereit, jedoch war es da noch stockdunkel und so konnte die Lese erst gegen 6.45 Uhr beginnen.

Seit letztem Sonntag hatten die Trauben Zeit durch die viele Sonne noch etwas zu reifen. Leider gab es aber auch den Wespen noch eine letzte Gelegenheit sich über eine weitere Zeile her zu machen, diese Gelegenheit wurde redlich genutzt. 

In weniger als einer Stunde waren wir dann auch schon fertig und das Lesegut war im Auto verstaut.

Dann ging es schnell nach Berlin. 

Vor der Abfahrt vom Grundstück haben wir noch ein wenig Schwefel (bzw. Kaliumdisulfat) über die Trauben in den Tubben gestreut. Dies dient dem Oxidationsschutz und ist weiterhin wichtig, damit es nicht zu unerwünschten Fehlgärungen kommt. 

Die Umgebung für die Trauben soll während der Lese und der weiteren Verarbeitung möglichst kühl sein, daher auch das frühe Aufstehen und dann auch die anschließende Autofahrt bei niedrigen Temperaturen. 

In Berlin angekommen, füllten wir unsere ca. 25 kg Trauben, ja mehr konnten wir Dank der Wespenangriffe und diverser anderer Verluste, nicht retten, in unsere zwei Kunststofftanks um. 

In diesem Jahr soll’s ja, wie bereits angekündigt, ein Rosé werden. 

Hierfür müssen die Trauben im Gebinde angequetscht werden und danach muss alles für ca. 8 Stunden auf der Maische (den angequetschten Traubenschalen) liegen. In dieser Zeit entzieht der Traubensaft den Schalen die Farbe und es entsteht die bekannte Roséfarbe.

Eigentlich wollte ich die Trauben ja mit den Händen quetschen, dies stellte sich jedoch schnell als nicht so effektiv heraus.

Also mussten die Füße ran, dort habe ich deutlich mehr Kraft. Ausnahmsweise war es mal nicht so passend, dass ich nicht so viel Körpergewicht habe. Aber es hat gereicht, es entstand eine wunderschöne Maische.

Nach dem Quetschen kam wieder etwas Schwefel (Kaliumdisulfat) über die Maische und dann musste das Ganze 8 h ruhen. 

Zeitgleich musste noch „Bentonit“ angerührt werden , welches dann aber erst 8 h später dem langsam entstehendem Most zugefügt wurde. Diese Zugabe ist unter Anderem wichtig, um eine Trübung des späteren Weins zu verhindern. 

Während der 8-stündigen Wartezeit hab ich mal die Nase in den Kunststofftank gesteckt. Ich konnte nur einen beißenden Geruch wahrnehmen, die Farbe des Gemenges war da noch die von abgestandenem Pfützenwasser. 

Gegen 18.00 Uhr ging’s dann an den Pressvorgang. In die Presse auf die Maische (die durchweichten Trauben) wurden dann noch „Pektinasen“ gegeben. Diese dienen der Erhöhung der Saftausbeute und gleichzeitig kann sich so der Trub besser über Nacht im Tank absetzen.

Die Funktionsweise der Presse ist sehr einfach. 

Es wird ein Ballon mit Wasser gefüllt. Die Trauben werden durch die Ausdehnung des Ballons an das runde gesiebte Außengitter  gequetscht. Der Traubensaft läuft dann durch kleine Schlitze außen herrunter. 

Unter dem Auslauf steht ein Eimer, welcher sich füllt. 

Dieser Eimer ist mit einem Schlauch verbunden, welcher direkt in den Stahltank im Keller führt.

Die Saftausbeute ist zwar dieses Jahr noch ziemlich klein, reicht aber für das Kennenlernen der Abläufe allemal.

Nach dem Pressvorgang

Die  Oechsle (Mostgewicht des Traubenmosts) sind jetzt auch nicht so der Knaller, aber die Trauben mussten nun auch runter. Die Wespen und Vögel hätten sonst innerhalb weniger Tage alle verbliebenen Trauben vernichtet. Auch der Wetterwechsel führte zur Entscheidung am Donnerstag zu lesen.

Am Freitag morgen haben wir den Trub aus dem Tank gezogen und den zukünftigen Wein unter Zugabe der Hefe und etwas Zucker in den Kunststofftank gefüllt. Die Hefe ist wichtig für das Starten des Gährprozesses. Die nächsten Tage und Wochen passiert noch einiges im Keller.

Diese Phase wird sehr wichtig. Warum, erzähle ich gern im nächsten Beitrag.

Kommentare:
  1. Date 26. September 2020
    Author Von:Angela

    Das ist ja eine Wissenschaft !
    Unglaublich interessant und mit viel Arbeit verbunden. Ich bewundere euren Mut und Tatendrang! Drücke alle Daumen das sich die Mühen trotz aller Rückschläge gelohnt haben und bin gespannt auf den ersten Tropfen Rose aus dem Hause Schindler 👍

  2. Date 26. September 2020
    Author Von:Anita und Bernd

    Interessant ist ja die Ausbeute.
    Wieviel Flaschen werden es wohl?
    Lehrjahre sind keine Herrenjahre!
    Im nächsten wird die Ausbeute auf jeden Fall besser. Nur Mut weiterhin.

  3. Date 26. September 2020
    Author Von:Monika Dorow

    Das ist ja alles sehr aufwendig. Hoffe das ihr,wir an Weihnachten mit einem guten Tropfen belohnt werden.Also gutes Gelingen. Mama Moni


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