26.
September

Die roten Trauben sind nun auch gelesen. Bevor ich aber dazu Näheres berichte, möchte ich natürlich erzählen, wie es uns in den letzten zwei Wochen im Keller mit den weißen Trauben ergangen ist.

Der Hefeansatz ist uns in diesem Jahr gelungen.

Da wir ja auf den Schwefel verzichtet hatten, fehlte uns nun der Oxidationsschutz. Die braune Farbe auf dem folgenden Foto wird sich glücklicherweise noch verändern.

Vor dem Hefeansatz wird aber der Trub noch abgezogen und das gesamte Gebinde mit etwas Zucker angereichert.

Diese Anreicherung ist nötig um von unseren 75 Öchsle auf angestrebte 86 Öchsle zu kommen. Diese Zahl wird benötigt, um auf einen Alkoholgehalt von ca. 11,6 % zu kommen.

Das Abziehen des Trubs funktioniert übrigens genauso wie beim Aquarium mit dem Ansaugen eines Schlauchs.

Wir waren so froh, dass der Hefeansatz geklappt hatte, waren wir doch im Vorjahr genau an dieser Stelle gescheitert.

Aber bis es zum Start der Gärung kam, vergingen ein paar Stunden. Wie schön war es, dann das erste Blubbern in den Gärröhrchen zu sehen.

Jeden Tag fertigten wir ein Gärprotokoll an. Die Öchsle und die Temperatur  wurden täglich gemessen. Die Gärung lief wunderbar. Jeden Tag fiel die Öchslezahl.

Der Prozess der Umwandlung von Zucker in Alkohol verlief bis zum Tag 10 und plötzlich stoppte die Gärung bei ca. 30 Öchsle.

Was nun, wieder alles verloren? Wir versuchten erneut einen Hefeansatz, welcher erst beim dritten Versuch glückte. Jedoch brachte er die Gärung nicht mehr in Gang. Nun, da die Gärung bei ca. 30 Öchsle stoppte, werden wir einen sehr sehr leichten halbtrockenen Wein mit wenig Alkoholgehalt daraus machen können. Erst bei einer vollständigen Gärung wird der Zucker komplett in Alkohol umgewandelt. Dieser Gärstop ist aber wohl garnicht so ungewöhnlich. Daher haben wir nun für das große Gebinde der roten Trauben noch schnell Hefenährstoff zur Rehydration der Aktivhefen bestellt. Diesen werden wir dann sofort bei dem neuen Gebinde dazu geben.

So nun aber einen Schwenk zur Lese der roten Trauben.

75 kg sind es geworden. Drei volle Tubben transportierten wir nach guten 1,5 h Lesedauer Richtung Berlin.

Man muss dazu sagen, dass es sogar noch wesentlich mehr waren, jedoch wollten wir diesmal Qualität. Ich hatte ja doch an einigen Rebstöcken mehr als eine Traube hängen lassen, weil es so schön aus sah und es mir leid tat, diese zurück zu schneiden.

Genau dort wo viel hing, waren aber nun die jungen Reben überfordert. Dort konnte ich nicht die nötige Süße erschmecken, die wir gebraucht hätten. Also wieder eine Lernschleife für das nächste Jahr, wirklich nur eine Traube pro Trieb stehen lassen, damit alle Kraft dort rein geht.

In Berlin angekommen, haben wir die Trauben auf 4 Tubben verteilt, haben uns mit Mülltüten über den Schuhen bewaffnet und die Trauben angequetscht.

Nötig war das Anquetschen (haben wir bei den weißen Trauben nicht gemacht), weil wir den Wein als Rose ausbauen wollen. Durch das Anquetschen entsteht die Maische. Die aus den Trauben getretene Flüssigkeit zieht dann den roten Farbstoff aus den Schalen. Diese Maischetubben haben wir dann 7 Sunden lang abgedeckt und mit ein wenig Schwefelzugabe  stehen gelassen.

Nun hatten wir auch genug Zeit wieder das Bentonit vorquellen zu lassen , ohne hektische Aktionen auf dem Rheinsberger Parkplatz.

Um 18.00 Uhr begannen wir dann mit dem Pressen. Jede Tubbe (4 waren es jetzt) pressten wir 3 mal ab. Hatten wir doch vor zwei Wochen gelernt, dass sich eine dritte Pressung für mehr Saftausbeute lohnt. Wieder kamen bei jedem Pressvorgang die Pektinasen dazu. Es gibt schon eine Menge Dinge, an die man denken muss. Wir müssen uns echt alles aufschreiben, damit wir nichts vergessen.

Spontan kamen auch Freunde zu Besuch, welche auch gleich mit Hand anlegen wollten.

Nach der letzten Pressung gabs auch schon mal einen guten Tropfen Rose ins Glas gelegt. Im nächsten Jahr hoffen wir natürlich sehr, dass wir dann schon unseren eigenen Wein anbieten können.

Wie die weitere Verarbeitung von unserer 42 Liter Regent-Ausbeute im Keller vonstatten gehen wird und ob uns der Gäransatz für so ein großes Gebinde glücken wird, davon berichte ich dann gern beim nächsten Mal.

Kommentare:
  1. Date 27. September 2021
    Author Von:Sabine

    Danke an Alle für die aufmunternden Worte. Drückt die Daumen für die Kellerwirtschaft, denn da kann tatsächlich noch eine ganze Menge schief gehen.

  2. Date 27. September 2021
    Author Von:Schwarz, Angela

    Das Anquetschen erinnert sofort an den „gezähmten Wiederspenstigen“ – man sieht Ihr hattet Spaß!
    Hut ab, die vielen Anstrengungen und Nackenschläge haben Euch den Mut und Ehrgeiz nicht nehmen können .
    Aus den Erfahrungen des letzten Jahres habt ihr nun alles optimiert – was soll da noch schief gehen?
    Deshalb wird es in diesem Jahr ein ganz besonderer Wein werden – wir freuen uns schon auf darauf!
    Danke, dass wir den Pressvorgang live mitverfolgen durften und Einblick in die komplizierte Wissenschaft der Weingewinnung bekommen haben!
    Mario und Angela

  3. Date 26. September 2021
    Author Von:Monika Dorow

    Hallo, ihr zwei zielstrebigen Hobbywinzer.Das war ja ein hartes Stück Arbeit. Egal wie das Ergebnis wird, es hat auf jeden Fall auch Spaß gemacht.lm nächsten Jahr könnt ihr dann auf eure Erfahrung bauen.lch sage schon mal Prost auf das 1.Glas.Ausdauer und Zuversicht lohnt sich immer.

  4. Date 26. September 2021
    Author Von:Anita und Bernd

    Meine Güte, bei so viel Wissenschaft wird einem ja ganz schwindelig im Kopf. So viel Arbeit, so viel Fleiß und immer noch gut gelaunt.
    Der Wettergott hat mitgespielt, das wird ein toller Wein. Na und…, der leichte, halbtrockene Wein mit wenig Alkoholgehalt wird besonders den Omis und Opis gut bekommen. Wir drücken die Daumen und freuen uns auf den ersten Schluck! Anita und Bernd


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